„Letztlich geht es auch darum, dass wir als Menschen das für uns richtige Maß wieder finden.“

Umkehr zum Leben, S. 83, EKD 2009

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Postitionen der Kirchen

In einigen Stellungnahmen und Denkschriften fordert die Evangelische Kirche Deutschlands und ihre Werke bereits zu einem Umdenken im Bereich des Wirtschaftens auf, teilweise mit sehr deutlichen Worten. Diese wichtigen Schriften werden jedoch leider nur von einem sehr kleinen Kreis wahrgenommen. Darum bitten wir die EKD, eine breite Öffentlichkeitskampagne zum Thema "Wirtschaft braucht Alternativen zum Wachstum" durchzuführen.

Umkehr zum Leben, EKD 2009

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) stellt in ihrer Denkschrift „Umkehr zum Leben“ (2009) fest:

Als evangelische Kirche sind wir davon überzeugt, dass zur Abmilderung der Folgen des Klimawandels und für die Erhaltung der Lebensgrundlagen für künftige Generationen ein einschneidender Mentalitätswandel in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nötig ist. Eine solche Wende zu einer nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweise verlangt nach einer Umkehr, die die Bibel "Metanoia" nennt, eine radikale und umfassende Umkehr.
Wir bekennen, dass wir mit dem in den Industriestaaten vorherrschenden Lebensstil und einem allein auf Wachstum setzenden Wirtschaftssystem dieser Verantwortung gegenüber Gottes Schöpfung nicht gerecht geworden sind. Unser Lebensstil und unsere Wirtschaftsweise tragen dazu bei, dass die Ressourcen der Schöpfung in unverantwortlicher Weise ausgebeutet und Menschen ihrer Lebensgrundlagen und ihrer Lebenschancen beraubt werden. Damit machen wir uns schuldig vor Gott, seiner Schöpfung und unseren Mitmenschen. Der erste Schritt zur Umkehr muss deshalb sein, dass wir uns unser Versagen eingestehen und es nicht länger leugnen, schönreden oder die Probleme auf Nebenschauplätze verschieben.

Eine Lebens- und Wirtschaftsweise, die auf ständiges Wachstum setzt, ist nicht nur gefährlich und unverantwortlich, sondern leugnet auch die von Gott geschaffene heilsame Endlichkeit des Menschen. Letztlich geht es auch darum, dass wir als Menschen das für uns richtige Maß wieder finden und eine neue Ethik der Genügsamkeit einüben.
Das Wachstum, das in der Form der Wachstumsrate des realen, also preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) zum vorherrschenden Ziel der Politik und der Wirtschaft geworden ist, ist als Leitziel einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Gesellschaft nicht geeignet, oft sogar konträr zu deren Entwicklung. (…) Die Kennziffer des BIP hat als Maß für Wohlstand und als Maßstab für erfolgreiche Politik objektiv ausgedient.
Auch wir in der Kirche haben uns zu lange von der Illusion des grenzenlosen Wachstums leiten lassen und sind deshalb auch Teil der problematischen Entwicklung, die wir heute beklagen. Ist der Ruf nach Umkehr ähnlich vermessen, wie das Beschreiten des Weges, auf dem wir bisher gegangen sind?

Klima der Gerechtigkeit 2010

Ähnlich äußern sich zahlreiche deutsche evangelische Landeskirchen, katholische Diözesen sowie leitende kirchliche Organisationen in der kirchlichen Plattform „Klima der Gerechtigkeit“ (2010):

„Der Übergang von einem „fossilen“ Zeitalter scheinbar grenzenlosen Wachstums zu einer kohlenstoffarmen, umwelt- und sozialverträglichen Weltwirtschaft besteht primär nicht aus einer technologischen Revolution. Es bedarf auch eines tief greifenden kulturellen Wandels, einer Abkehr von Entwicklungsmodellen, die auf Wachstum beruhen, und dies besonders in den Industrieländern.“

Zukunftsfähiges Deutschland (2008)

Auch die Studie "Zukunfsfähiges Deutschland" (2008), herausgegeben vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und den evangelischen Entwicklungsorganisationen "Brot für die Welt" und Evangelischer Entwicklungsdienst (EED),

  • konkretisiert, was Nachhaltigkeit in einem Industrieland mit internationaler Verant­wor­tung bedeutet;
  • diskutiert, wie Deutschland die Herausforderungen der Globalisierung kreativ be­wälti­gen kann, wie Politik und Gesellschaft zukunftsfähig werden können;
  • benennt Wege und Instrumente, die notwendig sind, um die Wende zu einer nachhalti­gen Entwicklung zu erreichen;
  • skizziert die Vision einer weltweiten und Generationen übergreifenden Gerechtigkeit und
  • macht Mut, in dieser Perspektive zu handeln.
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Bildnachweis: ohne Angaben