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Offener Brief an die Koalitionsfraktionen - Initiative „anders wachsen“ und VertreterInnen des „Ökumenischen Weges für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ richten sich an die Verhandlungsteams von CDU, Bündnis 90/DIE GRÜNEN und SPD

29.11.2019


Sehr geehrter Herr Kretschmer, sehr geehrte Frau Meier, sehr geehrter Herr Günther, sehr geehrter Herr Dulig, sehr geehrte Mitglieder der Verhandlungsteams,

 

 

als Initiative "anders wachsen" und als Vertreterinnen und Vertreter der kirchlichen Initiative des „Ökumenischen Weges für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung“ schließen wir uns dem Offenen Brief von Fridays For Future an und möchten betonen, wie entscheidend das Thema der Klimakrise für unser aller Zukunft ist. Es macht Hoffnung, dass die Themen des Klimawandels und der Schöpfungsbewahrung bereits richtungsgebend im Sondierungspapier Platz finden, jedoch zweifeln auch wir an deren Umsetzung, wenn keine konkreteren und mutigeren Beschlüsse verabschiedet werden.


Als ein Land, dass im Durchschnitt für seinen Lebensstil die Ressourcen von zwei Planeten verbraucht, stehen wir in Deutschland und auch in Sachsen in einer besonderen Verantwortung: Nicht nur hängt die politische Stabilität in vielen Herkunftsländern flüchtender Menschen davon ab, wie wir in den nächsten Jahren klimafreundlich und -gerecht umlenken, sondern auch die Zukunft der kommenden Generationen! Wir befinden uns inmitten des sechsten Massenaussterbens, werfen ein Drittel der Lebensmittel in den Müll und können es uns trotzdem nicht leisten, in drastischere Maßnahmen der Schöpfungsbewahrung zu investieren?

Wir rufen dazu auf, die planetaren Grenzen endlich auch als unsere Grenzen anzuerkennen und sich mindestens an den Beschlüssen des Pariser Klimaabkommens zu orientieren: also die globale Erwärmung auf 1,5° zu begrenzen, anstatt der momentan prognostizierten 3,7°. Bisher haben gerade einmal 16 der 197 Unterzeichnerländer diese Ziele erreicht. Deutschland befindet sich nicht unter ihnen.

Das bedeutet den Aufforderungen von Fridays For Future nachzukommen und Treibhausgasneutralität bereits 2035 anzustreben, anstatt erst 2050. Es bedeutet den Kohlebergbau so schnell wie möglich einzustellen, spätestens bis 2030. Die Umstellung auf Erneuerbare Energien sollte so schnell wie möglich vorangetrieben werden. Zur Erinnerung, einer der Beschlüsse des Pariser Klimaabkommens war, die Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel zu erhöhen; also auch die Finanzmittelflüsse umzulenken. Investieren Sie in Energieberatungen, bessere Isolation beim Wohnungsbau und -sanierungen, verankern Sie Klimawandel und die sich daraus ergebenden Herausforderungen in der Bildung und in den Rahmenplänen in den Schulen und setzen Sie ein Beispiel für Deutschland und andere Industriestaaten, wie Politik mutig vorangehen kann!

Wir müssen uns vom Mythos des ewigen Wirtschaftswachstums verabschieden und uns neue Leitbilder eines gelungenen Zusammenlebens suchen statt des BIPs. Wir unterstützen ausdrücklich die Ansätze von Fridays For Future, wenn sie fordern, dass kein Dorf mehr dem Kohlebergbau weichen darf, es einer verpflichtenden Sanierungsquote bedarf und wir bis 2035 100% erneuerbare Energien brauchen. Nehmen wir in Sachsen die Verantwortung wahr, die in der Klimakrise besonders auf den Städten, Regionen und lokalen Behörden liegt. Wir regen dazu an, autofreie Tage in den Städten einzuführen, Gelder in die Wiederbelebung stillgelegter Bahnstrecken zu investieren, um attraktive Alternativen zum Autofahren zu bieten, und Städteplanung nicht mehr am motorisierten Verkehr auszurichten, sondern an den Menschen, die diese Städte beleben. Lassen Sie sich von Vereinen wie foodsharing e.V. inspirieren und entkriminalisieren Sie das Containern von Lebensmitteln, erstellen Sie konkrete Konzepte gegen das Artensterben, finanzieren Sie nachhaltige Formen der Landwirtschaft und beziehen Sie uns, die Bürgerinnen und Bürger in die Erarbeitung neuer Konzepte mit ein.

 

Die Zeit ist knapp, wir können uns keine weiter Legislaturperiode des Zögerns leisten!

Schöpfungsbewahrung ist für uns als Kirchen ein göttlicher Auftrag. Wir betrachten die Welt, die Natur und unsere Mitmenschen als Gabe Gottes und nicht als Ressourcen, die wir ge- und verbrauchen können, wie es uns beliebt. Das heißt auch, dass wir diese Welt gestalten können, dass wir Einfluss darauf haben, wie die Zukunft, wie ein Klima des Friedens aussehen wird. Diese Ermutigung möchten wir Ihnen bei den Koalitionsverhandlungen und in der kommenden Regierungsperiode mit auf den Weg geben.

 

Gottes Segen und Weisheit wünschen wir Ihnen,

 

Hoffnungsvolle Grüße,

 


anders wachsen

Christine Müller

Tobias Funke

Walter Lechner

Juliane Assmann

www.anders-wachsen.de

 

Vertreter und Vertreterinnen des Ökumenischen Weges für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung

Dirk Müller

Friedemann Oehme

Kerstin Göpfert

Ulrich Clausen

Helen Dreikopf

Martin John

 

www.oekumenischerweg.de


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Neue Referentin für „anders wachsen“-Gemeinden

Zwei Dresdner Kirchgemeinden wollen „anders wachsen“-Modellgemeinden werden. Begleitet werden sie dabei von Juliane Assmann. Die 28-jährige Theologin ist neue Referentin auf der missionarischen Stelle zur Etablierung von „anders wachsen“-Gemeinden im Kirchenbezirk Dresden Mitte. 

In den nächsten drei Jahren wird Frau Assmann mit der Ev.-Luth. Johanneskirchgemeinde Dresden-Johannstadt-Striesen sowie der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Frieden und Hoffnung Dresden-Löbtau alternative Wirtschaftsmodelle, Entschleunigung und eine Ethik und Frömmigkeit des Genug erproben. Christliche Gemeinden sollen so als Hoffnungsorte für Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit erlebbar werden und auch kirchenferne Menschen zur Mitwirkung motivieren.

Die offizielle Einführung von Juliane Assmann erfolgt im Gottesdienst am Sonntag, den 15. September um 9:30 Uhr in der Hoffnungskirche Dresden-Löbtau, Clara-Zetkin-Straße 30.

Juliane Assmann kommt aus einer ostdeutschen Familie mit drei Geschwistern und ist in Berlin aufgewachsen. Bereits während ihres Theologie-Studiums in Tübingen und Hamburg engagierte sie sich für die Menschenrechtsorganisation „Christian Peacemaker Teams“. Nach einigen Einsätzen in Kurdistan (Irak) und Griechenland arbeitete sie zuletzt in Kolumbien. Dort setzte sie sich für die Landrechte von Bauern und Bäuerinnen und lernte viel über die Verquickung von Umwelt- und Menschenrechten sowie über die Beteiligung multinationaler Konzerne bei der Zersetzung derselben.

„Die Initiative ,anders wachsen‘ begeistert mich, weil sie aktuelle gesellschaftliche Probleme mit Lebensfragen und -visionen verbindet, die bereits in der Bibel diskutiert werden“, so Assmann. „Nie war es so dringend wie momentan, darüber zu sprechen, in was für einer Welt wir leben wollen und können — es wird immer klarer, dass die derzeitige Lebensform in Deutschland für den Planeten nicht haltbar ist. Ich spüre die Dringlichkeit, habe aber auch sehr viel Lust gemeinsam mit den Gemeinden Alternativen zu überlegen und auszuprobieren: Wie könnte eine solidarische Wirtschaftsform innerhalb einer Gemeinschaft aussehen? Was können wir essen und konsumieren, wenn uns Menschenrechte nicht nur in Deutschland wichtig sind? Welche altbekannten Weisheiten und Rezepte unserer Großeltern könnten wir dabei wieder entdecken? Und wie vereinbar sind diese Ideen mit einer turbokapitalistisch-leistungsorientierten Gesellschaft? Müssen wir den Begriff von Arbeit und Leistung neu denken?“

Die zunächst auf drei Jahre befristete 100 %-Stelle wurde vom Kirchenbezirk Dresden Mitte zusammen mit der christlichen Initiative „anders wachsen“ ins Leben gerufen und durch Fördermittel des Lutherischen Weltbundes, der Stiftung kulturelle Erneuerung, des Vereins Andere Zeiten e. V. sowie der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens ermöglicht.

Weitere Informationen bei Pfarrer Tobias Funke (Johanneskirchgemeinde), Tel. 0351-44679638 und Pfarrer Walter Lechner (Kirchgemeinde Frieden und Hoffnung), Tel. 0351-4226911. 

Frau Assmann ist bis zu ihrem Dienstbeginn am 15. 9. per E-Mail erreichbar: juliane.assmann[aet]anders-wachsen.de.

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Leitplan für eine Ökonomie des Lebens und für Umweltgerechtigkeit

Der Ökumenische Rat der Kirchen hat ein Papier vorgelegt, das Gemeinden und Kirchen einladen will, den Umgang mit der Wirtschaft und unserer ökologischen Umgebung zu ändern.

"Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Nie
zuvor war die ökumenische Einheit so groß und
nie waren mehr Menschen der Überzeugung,
dass ein tiefgreifender Systemwandel notwendig
ist. [...]

Wir begeben uns auf eine Reise für
Veränderung. Wir sind dankbar für alles, was
wir bisher erreicht haben. Trotzdem spornt
uns Gottes Aufforderung, unsere Nächsten zu
lieben wie uns selbst und sehr sorgsam mit
der Schöpfung umzugehen, an, noch mehr
zu tun."

1) Ein Leben im Einklang mit dem Bund mit Gott und der Schöpfung:
Kleinbäuerliche, lebenspendende Landwirtschaft unterstützen und betreiben
Gemeinschaftsgärten einrichten
Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen

2) Erneuerbare Energien und Klimaschutz:
Energieverbrauch kontrollieren und vermehrt erneuerbare Energien verwenden
Klimafreundliche Mobilität fördern
Energie und Materialien bewusst einsetzen

3) Gerechter und nachhaltiger Konsum:
Ökologisch produzierte, fair gehandelte und regionale Produkte kaufen
Abfall reduzieren
Wiederverwenden und recyclen

4) Ökonomien des Lebens
Orte für geldlosen Tauschhandel schaffen
Alternative Wirtschaftsmodelle umsetzen
Gerechte Finanzwirtschaft betreiben

5) Netzwerken
Beauftragte für wirtschaftliche und Umweltgerechtigkeit benennen
Innerhalb unserer Gemeinschaften und darüber hinaus die Stimme erheben zu ökonomischen
und ökologischen Themen
Vernetzung mit anderen Gemeinschaften und Initiativen

Hier gehts zum Download.

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epd-Dokumentation erschienen

Der Evangelische Pressedienst hat am 10. Juli eine Dokumentation zum 1. EKD-Nachhaltigkeitsforum in Hofgeismar herausgegeben. Der Titiel "Die Rolle der Kirchen und der Diakonie bei der Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der UN" enthält auch einen Beitrag von Walter Lechner und Anna Groschwitz, die mit einem Impuls-Kurzreferat zum Thema "anders wachsen" eingeladen waren.

"Das erste Forum Nachhaltigkeit richtete sich an kirchliche und diakonische Akteure und diente der kirchlich-diakonischen Verständigung über die eigene Rolle im Nachhaltigkeitsdiskurs. Dabei wurde die Rolle der Kirchen als Mahnerin, Mittlerin und Motor für eine nachhaltige Entwicklung anhand von vielfältigen Praxisbeispielen aus Kirche und Diakonie diskutiert und die eigenen Potenziale sowie Defizite ehrlich in den Blick genommen. Ein lebendiger, interdisziplinärer Austausch der 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen kirchlichen und diakonischen Arbeitsfeldern, Einrichtungen, Kirchenkreisen und Initiativen bot viel Gelegenheit zur Vernetzung und lieferte eine Fülle von Impulsen, die in der epd-Dokumentation festgehalten sind und für die Weiterarbeit an dieser wichtigen Zukunftsfrage genutzt werden können." Dr. Ruth Gütter, Nachhaltigkeitsbeauftragte der EKD

epd Dokumentation 28/2018, zu bestellen bei  doku@epd.de  für 5,10 Euro.

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Wirtschaft braucht Alternativen zum Wachstum

Wenn Maßlosigkeit das Maß aller Dinge geworden ist, müssen Christen aus der Freiheit ihres Glaubens heraus die besseren Alternativen aufzeigen.

Was will „anders wachsen“?

„anders wachsen“ ist eine christliche Initiative. Sie will Öffentlichkeit herstellen für die Notwendigkeit von Alternativen zum Wirtschaftswachstum. Als Kirche. In der Gesellschaft.

Wie soll das erreicht werden?

- durch Bildungsarbeit
- durch exemplarische Umsetzung der Erkenntnisse auf Gemeindeebene („anders wachsen“- Modellgemeinde)

 

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Spirituelle Guidelines zur Postwachstumsgesellschaft

Ein Erfahrungsbericht aus der kirchlichen Praxis von Christine Müller aus dem Sammelband »Diese Wirtschaft tötet« hrsg. von F. Segbers und S. Wiesgickl (2015)

"Die große Sehnsucht der Armen nach einer Welt der Gerechtigkeit und des Friedens, wie ich sie in großen ökumenischen Versamm-lungen und Weltsozialforen immer wieder hörte, wurde zu meiner Sehnsucht. Die Hoffnungen der Unterdrückten auf eine gerechtere, freiere Welt spiegelten sich in meinem Glauben wieder.[...]
Das Modell einer Gemeinde der Initiative „anders wachsen“, die ich mit gegründet habe, und die Überlegungen zur Gründung von KAIROS-Gemeinden, sollen im Abschnitt Handeln deutlich machen, welchen Beitrag christliche Gemeinden als solidarische
Gemeinden zu einer Postwachstums- gesellschaft leisten können."

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"anders-wachsen" - Gemeinde

Wie sieht christliche Gemeinde aus, wenn sie auf Grundlage ihres Glaubens an den dreieinigen Gott die Erkenntnisse der Initiative „anders wachsen“ konsequent lebt – in Frömmigkeit und geistlichem Leben, in Gemeindearbeit und allen praktischen Lebensvollzügen? Diese Fragestellung birgt neue und große Potentiale für den Gemeindeaufbau sowie für die Glaubwürdigkeit von Theologie und Kirche angesichts der politischen, sozialen, ökonomischen und ökologischen Herausforderungen der Gegenwart. In vielen Gemeinden wird bereits in kleinen Schritten versucht möglichst nachhaltig zu leben und zu wirtschaften. Oftmals muss sich jedoch zu jedem weiteren Schritt schwer durchgerungen werden. In einer "anders wachsen“-Gemeinde, in der ein Grundsatzentschluss für eine solche Lebens- und Handlungsweise gefasst wäre, würde es unserer Hoffnung nach einfacher sein, nicht jede "Tasse fairen Kaffee" neu diskutieren zu müssen.

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Rückblick

Am Buß- und Bettag 2012 fand in der Thomaskirche, Leipzig, ein Thementag zum Thema "anders wachsen" statt. Die vollständige Dokumentation kann hier eingesehen werden. Außerdem haben wir von 2011-2013 Unterschrifen für eine Petition an die EKD gesammelt um eine breite Öffentlichkeitskampange zum Thema anzuregen.

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